5. Mittelstandsforum der schleswig-holsteinischen Sparkassen in Kiel
„Change ist unser Leben!“
„Die Realwirtschaft konnte die Finanzmarktkrise zwar weitgehend hinter sich lassen, doch die Folgen werden uns noch Jahre beschäftigen“, lautete eine der Prognosen von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, auf dem 5. Mittelstandsforum der Sparkassen in Schleswig-Holstein. Neben einer wirtschaftlichen Standortbestimmung ging es auf der Tagung im Kieler Audimax um die Chancen von Veränderungsprozessen, um systematische Ideenproduktion und um die Frage, warum ein Orchester ein Paradebeispiel für effiziente Management- und Konkfliktlösungs-Strategien sein kann.
„Als stärkster Finanzpartner des Mittelstandes wollen die Sparkassen jeden Tag dazu beitragen, dass die Konjunktur im Gleichklang von Wachstum und Beständigkeit anzieht: Hier spielt die Musik! lautet deshalb selbstbewusst das Motto unseres diesjährigen Mittelstandsforums“, sagte Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbands für Schleswig-Holstein, in seiner Begrüßung vor rund 450 Teilnehmern aus überwiegend klein- und mittelständischen Unternehmen. Diese hörten danach gespannt den Ausführungen von Dr. Ulrich Kater zu, der zu einem fulminanten Rundumschlag über die derzeitige Wirtschaftslage ausholte. Drei „Krisen-Linien“ seien festzustellen, so der
Chefvolkswirt der DekaBank: eine der Banken, eine des Euro und eine der Staatsschulden. Den Euro aufzugeben, halte er für eine der teuersten Möglichkeiten. „Aber wenn wir den Euro langfristig behalten wollen, brauchen wir ein föderatives Modell für Europa“, mahnte Kater. „Für die Kapitalmärkte ist es wichtig zu wissen, dass Europa daran arbeitet!“
Sein eigenes unternehmerisches Erfolgsmodell stellte danach Dr. Meeno Schrader mit seinen Firmen Wetterwelt GmbH und meteolytix GmbH vor. Für Letztere gab es 2009 den renommierten Gründercup. Die Geschäftsidee: Auf Basis von computergestützten Prognosetools können Absatz-, Personal- und Energiebedarf geschätzt werden. Eindrucksvoll demonstrierte er dem Plenum, wie man zum Beispiel mit einer Wettervorhersage für einen bestimmten Ort Aussagen über den Absatz von Backwaren treffen kann.
Im Anschluss daran nutzten die Tagungsteilnehmer die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen und in fünf Themenforen mehr zu erfahren über Change Management, Wirtschaftsspionage, Social Media, systematische Ideenproduktion und perfekte Servicekultur.
Dass Unternehmer aus Schleswig-Holstein einen langen Atem haben und auch ihre Lachmuskeln bestens funktionieren, zeigte sich beim letzten Vortrag des Tages: „Vom Solo zur Sinfonie. Was Unternehmen von Orchestern lernen können.“ Der Dirigent, Musikproduzent und Coach Christian Gansch machte mit einfachen, aber überaus überzeugenden Beispielen die Parallelen zwischen einem gut geführten Orchester und einem Unternehmen deutlich und kritisierte die weit verbreitete Event-Manie und Change-Kultur. „Change ist doch unser Leben. Als Dirigent und Orchester können Sie sich nicht einen Tag auf ihrem Erfolg ausruhen. Jeden Tag müssen sie ihr Publikum neu erobern!“ Er plädierte für weniger Posen und für mehr Ausstrahlung und Herz. „Werte können nicht mit einer Power-Point-Präsentation vermittelt werden. Sie müssen vorgelebt werden.“ Die anwesenden Unternehmer ließen sich mitreißen und kommentierten Ganschs expressiven Vortrag immer wieder
mit großem Applaus.
Dass viele Teilnehmer von den Themen des Mittelstandsforums angetan waren, zeigte sich beim Ausklang der Tagung mit Live-Musik und Buffet. Zahlreiche Unternehmer nutzen die Möglichkeit zum Austausch mit den Referenten, ließen sich deren Werke am Büchertisch signieren und diskutierten noch weit in die Nacht hinein.