Steuereinnahmen aus dem Tourismus kompensieren Landes-Förderung
Ausblick auf 2011: Das Sparkassen-Tourismusbarometer stimmt optimistisch
Bereits zum neunten Mal haben der Tourismusverband Schleswig-Holstein und der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein mit dem Tourismusbarometer die Lage der Branche untersucht und die Ergebnisse im Rahmen einer Veranstaltung präsentiert, zu der die Tourismusverantwortlichen aus dem ganzen Landes eingeladen waren. Und die Ergebnisse lassen keinen Zweifel: Tourismus ist ein weiterhin einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in Schleswig-Holstein. Das zeigen die Steuereffekte, die von den Tourismusforschern des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr e. V. (dwif) erstmals anhand konkreter Zahlen nachgewiesen und vor mehr als einhundert Experten aus Politik, Wirtschaft und Tourismus in der Sparkassenakademie in Kiel präsentiert wurden.
Konkrete Zahlen lieferte die Bilanz der vorliegenden Wirtschaftsfaktorberechnung. Danach generierte der Schleswig-Holstein-Tourismus 2010 ein Steueraufkommen von 844 Mio. Euro für Bund, Länder und Kommunen. Den Ball griff Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein, zu Beginn der Veranstaltung auf und sagte: „Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – und geht uns deshalb alle an. Die Sicherung einer nachhaltigen Finanzierung touristischer Aufgaben wird über die Zukunftsfähigkeit der Destination Schleswig-Holstein entscheiden.“ Die vorliegenden Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Denn neben dem hohen Steueraufkommen flossen insgesamt 263 Mio. Euro vom Bund zurück in den schleswig-holsteinischen Landeshaushalt.
„Das ist ein wichtiges Argument für eine angemessene Förderung durch das Land“, sagte Volker Popp, Vorsitzender des Tourismusverbands Schleswig-Holstein, „denn der Effekt aus der tourismusbezogenen Einkommen- und Mehrwertsteuer unterstützt den Wirtschaftsstandort und den Landeshaushalt enorm!“ Ein starkes Argument auch für das Tourismusbarometer selbst – liefert es doch über detaillierte Informationen hinaus neue Ansätze und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.
Alle neun Barometer-Bundesländer befassen sich derzeit mit den bevorstehenden Herausforderungen, die aus der angespannten kommunalen Finanzsituation und der Umbruchphase der öffentlichen Förderungen zu erwarten sind. Neben Finanzierungsfragen steht aber auch die Organisation im Fokus der aktuellen Analyse. In Schleswig-Holstein haben sich drei Sonderthemen ergeben, die in die Untersuchungen miteinbezogen wurden: die Ermittlung steuerlicher Effekte, repräsentative Fallbeispiele für die kommunale Aufwands- und Nutzenbilanz (St. Peter-Ording und Timmendorfer Strand) sowie die Bildung lokaler Tourismusorganisationen (LTO).
Prof. Dr. Mathias Feige, Geschäftsführer des dwif, bewertet die LTO-Bildung als bundesweit einmalig und als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung, da dies die fließenden Übergänge in der Aufgabenteilung – von der Landes- bis zur Ortsebene – befördert und damit produktive Prozesse optimiert. Und so schloss sich Prof. Dr. Feige den Worten von Reinhard Boll an: „Volle Konzentration auf das, was jetzt kommt!“ - zumal die Prognose für 2011 Anlass für Optimismus gibt.
„Die Vorzeichen sind gut“, bestätigte Markus Seibold, Wirtschaftsanalytiker des dwif, „ wir rechnen mit einem Plus von zwei Prozent bei den Übernachtungen in Schleswig-Holstein.“ Der Jahresbeginn hat diesen Positivtrend bereits eingeleitet: „Im Januar verzeichnete die amtliche Statistik für Schleswig-Holstein zwölf Prozent Plus bei den Gästeankünften und 5,3 Prozent Plus bei den Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr.“ Die Wetterprognose – ein ausschlaggebender, wenn auch nicht festzumachender Faktor – und die sich nach dem Krisenjahr 2009 generell entspannende Wirtschaftslage lassen hoffen, dass die positive Prognose sogar noch übertroffen wird.
Aus Sicht der Experten hat sich das Sparkassen-Tourismusbarometer auch in dieser Periode bereits jetzt als wichtiges Instrument bei der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes bewährt: Es liefert ausführliche und vielschichtige Informationen, ermittelt Defizite und Potenziale auf der organisatorischen Ebene und bietet zugleich konkrete und strukturelle Optimierungsvorschläge für die gesamte Tourismusbranche in Schleswig-Holstein. „Schleswig-Holstein hat in den letzten Jahren viel erreicht. Nun sollte die Dynamik erhalten und die finanzielle Zukunft gesichert werden.“ so das Fazit der Tourismusforscher.